Mittwoch, 7. November 2007, 12:49
Lasertechnik: Mit der noch relativ jungen Technologie - sie wurde zur Bohrung von Uhrlagersteinen vor rund 60 Jahren entwickelt - wurde der Abstand zwischen Erde und Mond ebenso vermessen wie unzählige Unterhaltungsmedien damit versehen. © Lasergruppe (2), TU Wien
In der Medizintechnik hielt der Laser vor etwa 40 Jahren Einzug, wo er Krankheitsbestimmungen, Zellanalysen sowie Blutbefunde dramatisch beschleunigte. Gynäkologie und Urologie sind heute ohne Lasertechnik nicht mehr denkbar; im Operationssaal kommt sie als "Schlüsselloch-Chirurgie" zum Einsatz. "Insgesamt", so Prihoda, "sind heute alleine im Wiener AKH mehr als 1.000 Laser-Anlagen im Einsatz."
Die Wiener Lasergruppe ist auch in der Lage, Gefäßsysteme des Schädels mit einer Genauigkeit von +/- 0,05 mm zu modellieren.
Damit noch nicht genug: Als "Laser-Skalpell" sorgt die Technologie für extrem blutarme Schnitte und verhindert so in der Krebsbehandlung eine Verbreitung von Tumorzellen. Ein Segen ist der Laser zudem bei Hauterkrankungen - "derzeit nehmen in Österreich die Melanome um 6-10 % jährlich zu, was der stärkste Zuwachs bei allen Krankheiten darstellt" - sowie in der Augenchirurgie, wo der Laser "von 35 auf 2 Dioptrien" korrigieren kann.
3D-Diagnostik. Prihoda selbst hat vor etwa 15 Jahren in "der Einführung der dritten Dimension" für das Röntgenbild seine Herausforderung gefunden: Er war es, der das Rapid Prototyping in die Medizin einführte - gemäß seinen Patenten wurden am Wiener AKH erstmals nach der Vorlage von 3D-Diagnostika operiert.
Dabei werden die von einem Computertomographen generierten Daten für einen Laser aufbereitet, der in Folge, gemäß dieser Daten, vie Stereo-Lithographie ein Kunststoff-Modell fertigt. "In einer Genauigkeit von +/- 0,05 mm", ergänzt Prihoda stolz.
Die Einsatzmöglichkeiten dafür sind vielfältig:
• War früher die Schädelfrakturenbearbeitung bei Unfallopfern ungenau und daher teuer (Mehrfach-Operationen notwendig) - die entsprechenden Implantate mussten mitunter mehrmals angepasst werden -, fertigt der Laser heute ein auf Anhieb passgenaues Schädelmodell. "Seit der Einführung konnten so insgesamt mindestens 20.000 aufwändige Operationen überflüssig gemacht werden."
• Für die präventive Behandlung von Schlaganfall hat die Lasergruppe zunächst Modelle des Schädels sowie des Gefäßsystems gebaut und darin exakte Markierungspunkte gesetzt. Mit einem OP-Roboter mit einer Genauigkeit von 0,01 mm wird das Aneurysma am Patienten sodann erfolgreich abgesaugt, erklärt Prihoda.
• Am Herzen sind 3D-Darstellungen der Herzkammern möglich. Die Operationen laufen wesentlich kürzer ab und sparen so immense Kosten ein – eine Operationsstunde im Wiener AKH kostet derzeit rund 11.000 €.
• Bei schwer verunstalteten Tumor-Patienten schließlich erreicht Prihoda heute mit seinem System eine Reproduktionsrate von mehr als 98 %.
Maßgenauer Knochenersatz. Seine neueste Entwicklung beschäftigt sich mit dem maßgenauen Knochenersatz aus Eigenknochen. "Nachdem Metallteile als Implantate nur eine begrenzte Haltbarkeit aufweisen, ist der Wunsch der Ärzte groß, stattdessen patienteneigenes Material im Verbund mit bioresorbierbarem Material verwenden zu können." Die histologischen Befunde der ersten derart behandelten 29 Schafe gibt den Wiener Forschern recht - 2008 sollen nun die ersten Tests am Menschen folgen.